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Heißer Herbst in Griechenland?

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Kefalonitissa
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Heißer Herbst in Griechenland?

by: Kefalonitissa at 02.09.2010 23:21:03

Quelle: http://www.tagesschau.de/ausland/griechenlandsommer100.html

Folgt nach der Sommerpause der heiße Herbst?

Viele Griechen sind sauer: Die Löhne sinken, sie müssen sparen, die Wirtschaft schrumpft, die Preise steigen - alles Folgen des drastischen Sparprogramms der Regierung. Der Unmut im Land wächst. Gewerkschaften kündigen bereits einen heißen Herbst in Griechenland an.

Die U-Bahn in Athen ist zur Zeit etwas voller als sonst im Sommer. Es geht eng und hektisch zu im Berufsverkehr. Viele der Passagiere fahren erst seit ein paar Monaten regelmäßig mit der U-Bahn. Die Regierung hat die Mineralölsteuer erhöht, Benzin ist in Griechenland deutlich teurer geworden - um fast 50 Cent pro Liter. Immer mehr Athener lassen aus Spargründen ihr Auto stehen.

Während unter der Erde die U-Bahnen voll sind, geht es oben auf den Straßen der griechischen Hauptstadt, viel gemütlicher zu als noch vor ein paar Jahren. Das scheinbar rund um die Uhr mit Autos verstopfte Athen, das war einmal. Es ist unbestritten eine der positiven Nebenwirkungen der griechischen Schuldenkrise: mehr direkte Lebensqualität in den großen Städten des Landes durch weniger Verkehr auf den Straßen.

Die Taxifahrer freut es, sie kommen schneller voran. Allerdings haben sie weniger Kunden als noch vor einigen Monaten. Die Folge sind finanzielle Einbußen, sagt der 30-jährige Taxifahrer Johannes. "Noch bis vor ein paar Monaten kam es oft vor, dass man gar kein Taxi finden konnte. Jetzt findet man sofort eins. Die Leute haben finanzielle Probleme und nehmen die U-Bahn oder den Bus. Das hat uns die Krise gebracht."

Immer weniger Athener können oder wollen sich ein Taxi leisten. Die Taxiunternehmer haben in den vergangenen Monaten mehrfach die Preise erhöht. Johannes schätzt, dass er jeden Tag rund zwei Stunden länger als bisher arbeiten muss, um auf den gleichen Tageslohn wie noch vor einem Jahr zu kommen. "Alle Fahrgäste, die bei mir einsteigen, schimpfen über die Politiker. Alle sagen: Die Politiker sind schuld an der Krise! Natürlich, auch wir als Bürger tragen einen Teil der Verantwortung. Aber das meiste kriegen die Politiker ab."

Die Taxifahrt endet in der Altstadt von Athen. Kleine Gassen, gemütliche Tavernen vor denen liebevoll gedeckte Tische stehen, ab und zu hört man Musik. Hier scheint die typisch griechische Welt noch in Ordnung zu sein - könnte man meinen. "Viel übrig bleibt uns nicht", sagt ein Kellner in einem der Restaurants. "Die Leute sollen bloß nicht glauben, dass wir hier das große Geld verdienen. Das war bisher nicht so, und jetzt, mit den neuen Maßnahmen, geht’s noch weiter runter!" So wie diesem Kellner bleibt fast allen Griechen am Monatsende weniger Geld zum Ausgeben als noch vor einigen Monaten.

Inzwischen bekommen die Griechen den enormen Schuldendruck, der auf ihrem Land lastet, direkt zu spüren.
Die Regierung unter Ministerpräsident Giorgios Papandreou hatte drastische Sparmaßnahmen beschlossen und umgesetzt. Unter anderem hat sie mehr als 700.000 Staatsbediensteten die Bezüge gekürzt, außerdem bekommen die Rentner weniger Geld. Auf den ersten Blick funktioniert das Sparprogramm. Das Haushaltsdefizit Griechenlands ist nach Angaben des Finanzministeriums in Athen um fast 40 Prozent zurück gegangen. Das ist mehr als geplant.

Die logische Folge der Einschnitte im öffentlichen Sektor ist aber auch: Die Menschen müssen sparen, geben weniger Geld aus, und das fehlt plötzlich in der griechischen Wirtschaft mit ihrem besonders großen Dienstleistungssektor. Folge: Die Wirtschaft des Landes schrumpft, und zwar deutlich.

Dem Schrumpfen der Wirtschaftsleistung des Landes steht gleichzeitig eine Inflation von 5,5 Prozent gegenüber. Die Teuerungsrate ist eine der höchsten in der Europäischen Union. Fragt man in Griechenland, wer an den steigenden Preisen schuld ist, hört man als Antwort fast immer: "die Troika". Das ist die gängige Bezeichnung für das Dreierteam aus Europäischer Zentralbank, der EU-Kommission und dem Internationalen Währungsfonds IWF. Dieses Dreierteam war es, das im Frühjahr die internationalen Hilfskredite für Griechenland auf den Weg gebracht und das Land so vor einer Staatspleite bewahrt hat

Doch das 110 Milliarden Euro schwere Rettungspaket gab es nicht als ungedeckten Scheck. Die Bedingung der Troika: Ihre Finanzexperten überwachen künftig die Sparmaßnahmen der griechischen Regierung.
Vor allem zahlreiche linke Politiker und die Gewerkschaften lehnen das entschieden ab. Ihr Vorwurf: Griechenland mache sich so abhängig und lege sich selber an die Kette internationaler Finanzorganisationen. „Der IWF hat vielleicht das technische Wissen, wie man Löhne beschneidet. Was sie uns aber nicht verraten haben: Wie man die Preise runterdrückt! In Griechenland liegt das Preisniveau bei 93 Prozent des Euro-Raums, beim Lohnniveau liegen wir bei 63 Prozent", sagt der Präsident des griechischen Gewerkschaftsdachverbands GSEE, Giannis Panagopoulos.

Vor alle junge Berufseinsteiger verdienen oft nicht mehr als 800, 900 Euro nach Steuern und Sozialabgaben pro Monat. In kleinen Orten mag das zum Leben reichen. In einer Großstadt wie Athen jedoch, in der sich die Preise oft nicht von denen in Paris oder London unterscheiden, kann man von dieser Summe kaum leben. So wie dieser 27-jährigen Studentin aus Athen geht es vielen Gleichaltrigen in der griechischen Hauptstadt. "Wir haben kein Geld für persönliche Dinge mehr. Ins Kino oder in Kneipen gehen, ein Bier trinken - geht alles nicht mehr. Das Schlimmste ist aber: Wir werden entweder gefeuert oder finden erst gar keine Arbeit. Ich möchte zum Beispiel Lehrerin werden, das habe ich studiert. Aber ich weiß, dass es wahrscheinlich auf einen Kellner-Job hinauslaufen wird."

Nur ein paar Gehminuten vom Parlament entfernt sitzt Ilias Iliopoulos im ersten Stock des ADEDY-Gebäudes. Hinter der Abkürzung ADEDY verbirgt sich die einflussreiche griechische Beamtengewerkschaft. Ilias Iliopoulos ist ihr Generalsekretär.
Er hat mehr als ein Dutzend verschiedene Zeitungen auf seinem Schreibtisch ausgebreitet. In den meisten Artikeln geht es um die Folgen der Schuldenkrise: die steigende Arbeitslosigkeit, weiter steigende Preise und die neueste Hiobsbotschaft: Das Ergebnis einer Umfrage der Athener Industrie- und Handelskammer. Demnach haben 86 Prozent der befragten Unternehmen in der Stadt Probleme, ihre Rechnungen zu bezahlen. Es drohen noch mehr Firmenpleiten, weitere Jobs stehen auf dem Spiel.

Für die kommenden Wochen zeichnet Ilias Iliopoulos ein düsteres Bild. "Die Sparmaßnahmen werden sich erst im Herbst so richtig bemerkbar machen. Der Durchschnittsarbeitnehmer hat noch gar nicht begriffen, was auf ihn zukommt. Im September, im Oktober werden die Leute die harte Realität erkennen. Dass sie dann zum Beispiel die Miete nicht mehr bezahlen können. Oder die Raten fürs Haus."

Der ADEDY-Generalsekretär formt seine rechte Hand zur Faust, während er spricht. Die Proteste und Streiks seien nur ein Anfang gewesen, betont er. Viele Griechen hätten es in den vergangenen Wochen wegen der Sommerpause ein bisschen ruhiger angehen lassen. Doch das sei nur die Ruhe vor dem Sturm, so der Gewerkschafter.
"Im Herbst wird der Protest der Leute explosive Ausmaße annehmen.
Das bisher war nur ein Versuch, der Regierung zu sagen: Wir lehnen diese falsche Politik ab. Unsere neue Nachricht heißt: Wir werden diese falsche Politik beseitigen
Im September, das haben Gewerkschaften und Oppositionspolitiker bereits angekündigt, soll ganz Griechenland mit neuen Streiks und Demonstrationen überzogen werden.
Quer durch die politische Landschaft versprechen die Aktivisten: Es wird ein heißer Herbst in Griechenland.

Von Steffen Wurzel, ARD-Hörfunkstudio Istanbul

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Kefalonitissa
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Re: Heißer Herbst in Griechenland?

by: Kefalonitissa at 03.09.2010 14:08:07

Und gleich noch ein weiterer Beitrag zum Thema griech. Gewerkschaften und Regierung:

Scharfe Kritik der Gewerkschaften an der Regierung

Griechenland / Athen. Scharfe Kritik an der Wirtschaftspolitik der Regierung übte der Präsident des Gewerkschaftsbundes GSEE, Jannis Panagopoulos, bei einem Treffen mit Premier Jorgos Papandreou.
Gleichzeitig übergab der Arbeitnehmervertreter dem Regierungschef ein Positionspapier. Darin wird u. a. ein anderer Mix in der Wirtschaftspolitik gefordert, die Stützung des Sozialversicherungssystems durch den Staat sowie eine Anhebung des Arbeitslosengeldes auf 80 Prozent des letzten Lohnes.
Das mit der Troika aus Internationalem Währungsfonds, EU und Europäischer Zentralbank vereinbarte Memorandum sowie die Sparpolitik laste auf den Arbeitnehmern, so Panagopoulos.
Auch die Gewerkschaft Öffentlicher Dienst ADEDY schlug mit ihrer Kritik in dieselbe Kerbe. Sie forderte ein Treffen mit dem Premier, um die Probleme der Beamten sowie der Rentner zu erörtern, wie dies über Jahrzehnte der Fall gewesen sei.
Die ADEDY kündigte auch an, dass sie bei der am Wochenende beginnenden Internationalen Messe Thesaloniki nicht anwesend sein werde. (GZks)

Quelle: Griechenland Zeitung 03.09.10

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