Neue CD zum 85. Geburtstag v. Mikis Theodorakis
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Kefalonitissa
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Neue CD zum 85. Geburtstag v. Mikis Theodorakis
by: Kefalonitissa at 10.08.2010 15:57:21Das griechische Wort für Lied lautet „tragoudi“, abgeleitet von der Tragödie. Tragoudi einfach als Lied zu übersetzen oder Folk, gar Schlager, trifft den Kern nicht. Was die „tragoudia“ ausmacht, lässt sich bei keinem anderen modernen griechischen Lieder-Schreiber so gut nachvollziehen wie bei Mikis Theodorakis, der gerade seinen 85. Geburtstag beging.
In seinem vielfältigen Schaffen von Sinfonien, Kirchen-, Filmmusiken, Opern nehmen Lieder einen wichtigen Platz ein.
Mehr als tausend davon hat er im Laufe der Zeit komponiert, mal mit eigenen Texten versehen, mal Gedichte vertont. Häufig hat er in den „tragoudia“ die großen Tragödien seines Landes und seines Lebens verarbeitet: die Besetzung Griechenlands durch die faschistische Wehrmacht, den gnadenlosen Bürgerkrieg, der das Land danach in zwei erbittert verfeindete Lager zerriss, die Militärdiktatur der Obristen 1967 bis 1974. Terror, Zwangsarbeit, Isolationshaft, Folter hat der bekennende Linke Theodorakis mehrfach am eigenen Leibe erlitten. Manchen Zeitgenossen ist er womöglich gar nicht zuerst als Komponist aufgefallen, sondern eher als berühmtester politischer Gefangener des Obristen-Regimes. DDR-Schüler bemalten Protest-Postkarten für seine Freilassung, haben wohl ein wenig dazu beigetragen, dass er schwerkrank 1970 das Land verlassen durfte.
Die Schrecken sind in vielen Liedern jener Doppel-CD präsent, die jetzt beim Berliner Musikverlag Buschfunk als Tribut erscheint. Wenn etwa Hans-Eckart Wenzel seine Nachdichtung des berühmten „Imaste dio“ singt, in „Wir sind zu zweit“ mit fast lakonischem Ton von allnächtlicher Folter berichtet, nur von drängender Gitarre begleitet. Wenn Konstantin Wecker mit Schmerzensgesang und betont rollendem „R“ das „Lied der Lieder“ von Iakovos Kambanellis interpretiert, das der ehemalige Häftling des KZ Mauthausen für die ermordeten Mädchen von Auschwitz, Dachau, Bergen-Belsen gedichtet hat.
Wie kaum ein anderer moderner Komponist hat Mikis Theodorakis die verschiedenen Strömungen der Musik seines Volkes aufgenommen. Ländliche auf der einen Seite, auf der anderen den städtischen Rembetiko, als griechischer Blues bezeichnet. Er hat die Tradition mit klassischen Elementen verbunden, so neue Volksmusik geschaffen – Popmusik im besten Sinne. Auch Folk-Rock genannt oder Weltmusik, wie immer, wenn nationale Folklore international erfolgreich wird. In diesem Sinne hat Theodorakis die Weltmusik zumindest mit erfunden.
Wie lebendig sie wirkt, das macht die CD in unterschiedlichsten Beispielen deutlich, sowohl im Konzertteil – aufgenommen im vergangenen Jahr in der Berliner Volksbühne – als auch bei den Studioproduktionen. Selbst Rapper vermag sie zu inspirieren, wie die Kölner Microphon Mafia mit ihrer Fassung des Gefängnis-Liedes „Schlachthof“ beweist. Gänsehaut erzeugt der Teil, in dem das Rap-Stakkato abgelöst wird vom dunklen Gesang der Auschwitz-Überlebenden Esther Bejarano.
Theodorakis’ Kompositionen ist der Gestus des Aufbegehrens eigen. Das klingt trotzig auf in der wilden Instrumental-Version „Imaste dio“ von Akkordeon-Virtuose Tobias Morgenstern, scheint durch bei Sopranistin Johanna Krumin, Liedermacher Gerhard Schöne, gestandenen Theodorakis-Interpreten wie Petros Pandis. Zum Schluss überrascht die Doppel-CD mit zwei bislang unveröffentlichten Songs, die Theodorakis selbst singt. Zwar mit altmodischer Technik aufgezeichnet, kann das Rauschen der Vitalität und Schönheit der Lieder doch nichts anhaben.
(Von Gerd Dehnel)
http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/11865738/63369/Tribut-CD-wuerdigt-Mikis-Theodorakis-Ein-Pop-Star.html
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Diese Doppel-CD (Viva Mikis 85) ist ab dem 10. September auf dem deutschen Markt erhältlich
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