Integration der Griechen ?
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Kefalonitissa
Gelöschter Benutzer
Integration der Griechen ?
von: Kefalonitissa am 05.09.2010 13:06:31Ein (sehr persönlicher) Artikel zur Frage der Integration der Griechen in Deutschland, den ich vor zwei Tagen bei
rp-online gefunden habe:
Integration ?
Wiesbaden-Biebrich ist nicht die Welt, aber die, die ich ein wenig kenne
Wiesbaden hat knapp 20% Einwohner ohne deutschen Ausweis. In Südhessen kann dieser Anteil auch über 30% liegen, wie in Offenbach. Angesichts der Tatsache, dass tendenziell Einwanderer mehr Kinder bekommen als Ureinwohner, ist klar, dass viele Grundschulklassen überwiegend nicht „deutschstämmige“ Kinder haben.
Das ist eine Sichtweise. Eine andere bezieht die Einwanderer mit ein, die deutsche Staatsbürgerschaft haben, aber „unter sich“ bleiben. Dazu gehören zum Beispiel solche Einwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion, die aus unterschiedlichen Gründen mit einem gewissen Automatismus deutsche Papiere bekommen (haben), aber in einer überwiegend russischen Parallelgesellschaft leben.
Bieberich - Boomende Wirtschaft nach dem zweiten Weltkrieg, die Gewinne und die Löhne steigen, ein Teil der Arbeiterkinder steigt über Schulabschlüsse auf, man beginnt den Bedarf an niedrig-qualifizierten Arbeitskräften mit „Gastarbeitern“ aufzufüllen, die zunächst duldsam sind, was das Lohnniveau angeht. Durch Zufall sind es ein paar unternehmungslustige junge Männer sowohl aus dem Nordwesten wie dem Nordosten Griechenlands (aus den damaligen extremen ländlichen Armutsregionen nahe Albaniens und der Türkei), die ihren Mut zusammennehmen und kommen. Es folgen halbe Dörfer nach, geheiratet wird selbstverständlich untereinander.
In den Ferien wird zuhause ein Häuschen in Eigenarbeit mit Nachbarschaftshilfe gebaut, man möchte den Lebensabend in der Heimat verbringen. In Biebrich wird unter großem Einsatz eine orthodoxe Kirche im innen überladenen goldflimmernden Stil modernen Griechen-Kitsches errichtet. Man trifft sich dort zum Gottesdienst, bei Taufen, Hochzeiten etc.
Die Kinder gehen auf deutsche Schulen, lernen mehr oder weniger ordentliches Deutsch mit Türken, Deutschen und Italienern zusammen. Das Gymnasium muss notgedrungen seinen Erwartungshorizont immer weiter herabsetzen und verwandelt sich konsequenterweise irgendwann in eine Gesamtschule, eine Art höhere Volksschule.
Der klassische deutsche Gymnasiast wandert ab an ein Gymnasium mit überwiegend deutscher Schülerschaft.
Mein griechischer Freund wandert irgendwann ebenfalls ab an eine andere Schule, denn er möchte etwas lernen und „etwas werden“. Er macht dort seinen Abschluss. Inzwischen hat sich nämlich eine Menge geändert. Erst übernahm Hoechst die chemischen Werke am Rhein, dann wurde Hoechst aufs Merkwürdigste abgewickelt. Das Ganze heißt jetzt Industriepark Kalle-Albert, die meisten niedrigqualifizierten Jobs sind futsch. Die Anzahl der Arbeitsplätze ist insgesamt rapide zurückgegangen.
Als nächstes verschwinden die kleinen (von Deutschen gehaltenen) Familienbetriebe im Handwerk, in der Gastronomie und im Einzelhandel. Schneidern und Schustern wird türkisch, die Gastronomie wird überwiegend griechisch (mit Personal auf niedrigstem Lohnniveau) und der Einzelhandel verlagert sich in von der Stadt geförderte riesige Supermärkte vor der Stadt, die alle paar Jahre die Besitzer wechseln. Wer "etwas auf sich hält", will da raus – Deutsche, Griechen, Türken.
Die meisten Jobs vor Ort unterliegen einer De-Qualifizierung. Das allgemeine Lohnniveau sinkt, die Anzahl der Sozialhilfe-Empfänger (etc) steigt. Zwischenzeitlich entstehen einmal ethnische Jugendbanden, griechische, türkische, deutsche, aber die Polizei geht damit relativ gut um.
Die meisten Alten, ob Italiener, Griechen oder Türken der sogenannten ersten Generation, überlegen, nach Hause zurückzugehen. Ein zentrales Argument, dass ich immer wieder höre, ist, dass die Gesundheitsversorgung hier so viel besser ist, dass das alleine schon reicht, nicht mehr zurückzukehren. Außerdem bleiben die Kinder fast alle hier.
Integration: Mein griechischer Freund macht (auf eigene Kosten) eine Ausbildung als Physiotherapeut, arbeitet sich dann teils abhängig beschäftigt, teils selbständig durch 10-14 Stunden pro Tag, nimmt schließlich Fördermittel an und Kredite auf, kauft sich eine Praxis in bester Lage, später noch eine Filiale, beschäftigt 6-8 meist sehr qualifizierte Leute (überwiegend Griechen, keine Frauen), baut für Frau und Kinder ein Haus in Biebrich.
Wie fast alle Griechen (Türken, Italiener etc) heiratet er eine Frau aus dem eigenen Herkunfts-Land. Sie hat einen hochqualifizierten Job in der IT-Branche, aber natürlich bleibt sie nach dem ersten Kind zuhause. Inzwischen sind es drei. Er ist stolz, sich das leisten zu können (das Arbeiterkind aus der Armutsregion von Hellas), und sie ist gerne Mutter und zuhause.
Integration? Sie beide bringen aus Griechenland, wo sie nicht mehr geboren sind, etwas mit, was manchem Deutschen fehlt: Fleiß und Bereitschaft, sich Mühe zu geben (mehr, als mir für mich lieb ist), Familiensinn (sich kümmern um die alternden Eltern, was eine Last sein kann), gegenseitige Hilfe in der Verwandtschaft.
Integration? Die Griechen in Biebrich sind weithin unter sich: Familie, Verwandtschaft, Bekanntschaft, Kirchengemeinde (auf griechisch mit exotischem Ritus). Sie freuen sich aber über gute Beziehungen zu Deutschen, die nicht sehr häufig sind. Wir sind bei den Taufen in Kirche und griechischem Restaurant dabei. Die anderen sind Griechen, die sich über unsere Anwesenheit herzlich und demonstrativ freuen. Das Kind der beiden wächst zweisprachig auf.
Was ist mein Freund: Er ist Grieche und Deutscher zugleich. Inzwischen möchte er gerne wegziehen, und mit genug Geld kommt er dahin, wo wohlhabendere deutsche Mittelschicht fast noch unter sich ist, wie zum Beispiel in unserem Viertel.
Die ersten Türken (ohne Kopftuch) haben es auch schon geschafft. Die dumpferen Geister im Viertel haben erst gemunkelt, aber das hat sich wieder gelegt.
Sarrazin? Die Probleme von Neukölln usw. haben wir hier nicht. Andererseits ist mein griechischer Freund nicht typisch, er ist aber immerhin möglich. Was sagt er: Ein nicht geringer Teil seiner griechischen (vor allem männlichen) Zeitgenossen hat massive Probleme, sich auf die Mühseligkeiten schulischen Lernens einzustellen, mit dem Ergebnis, dass das Lernniveau in der Schule sackt und man nachher zwar Zeugnisse hat, aber keine handfeste Einstellung, in dem zunehmenden Rattenrennen hier mitzuhalten. Berufsausbildung machen auch zu wenige. Ich kann ihre Einstellung gut nachvollziehen, sie ist mediterran-levantinisch, - aber was hilft das schon in diesem unserem Land.
Beispiele: Griechische (ich rede hier noch nicht von türkischen) Jungs haben weniger Lust, Energie in Ausbildung zu investieren. Was machen sie also: Sie bedienen in griechischen Restaurants, sie machen Handyläden auf (nahe am Spielzeug dran) oder wurschteln sich sonstwie durch. Getragen werden sie vom stabileren Familienverband. Abends sind sie mit Griechen in der Kneipe, in ihrem Herzen und ihrer Seele sind sie Griechen geblieben.
Niemand redet von Problemen mit Griechen in Deutschland.
Natürlich ist die Masseneinwanderung auch aus europäischen Ländern nicht ohne Probleme, und Sarrazin hat sie im öffentlichen Auftreten eher verniedlicht, um die orientalische Einwanderung in ein umso grelleres Licht zu stellen......
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Dies ist ein persönlicher "Erfahrungsbericht" eines Lesers von rp-online. Was haltet ihr davon? Leben die Griechen, leben wir/ihr in unserem eigenen Kosmos in Deutschland?
Was bedeutet eigentlich Integration? Wann ist man integriert? Wenn man genauso ist/denkt/handelt wie die Einheimischen? Wenn man seine eigene Identität verloren hat? Wenn man nicht als "Ausländer" auffällt? Wenn man untergegangen ist im Einheitsbrei der Gleichmacherei?
Re: Integration der Griechen ?
von: kerasia am 28.07.2011 11:04:36Intergration ist immer eine Geschichte von zwei Seiten. So sehr man sich auch wünscht intergriert zu werden, hilft nichts, wenn die andere Seite nicht den Willen zeigt dich intergrieren zu lassen. Der Deutsche (sorry für die Verallgemeinerung) ist nicht gerade ein unkomplizierter Mensch und hat auch viele Kommunikationsprobleme mit seinen eigenen Landsleute. Extrem hohe Erwartungen, ein sehr starkes Ego, Ellenbogenmentalität und Konkurenz selbst innerhalb der eigenen Familie, sehr enge sozialen Hierarchien, in denen der Ausländer, egal welcher sozialen Klasse, an untersten Stelle steht, machen die Intergration nicht gerade ein Kinderspiel.
Chairetismata, anthi
Re: Integration der Griechen ?
von: kyrene am 26.08.2011 16:18:25hallo möchte gern etwas dazu sagen!glaube nicht ,daß es am status ausländer liegt,denke eher,weil man nicht in eine imaginäre form paßt!bin hier geboren und hab ähnliche erfahrungen gemacht,wie ihr!man ist einfach anders und was anders ist ,ist ???glaub es ist unsicherheit,angst und auch die verschlossenheit vieler menschen die integration überhaupt erschwert!dabei ist multikulti das beste was uns passieren kann!stellt euch mal vor die ganze welt hätte nur eine farbe!?wie langweilig!nur bunt ist gesund!!!über kurz oder lang verschwinden die ländergrenzen sowieso und auch die mauern im kopf werden fallen! ich für meinen teil kann sagen,daß ich mich nirgens wohler fühle,als bei meinen griech.freunden bei ziki.imiglykos (rot,weil der als medizin durchgeht)und philosophie!!!wenn ich auf die stundenlangen gespräche mit meinem kumpel ioannis verzichten müßte,oder die eifersüchtigen zickereien seines neffen nikolaos,da würde mir echt was fehlen!ich sage euch, da könntet ihr griechisches theater vom feinsten erleben!obwohl ich ihn manchmal 3mal am tag erwürgen könnte,aber vermissen würd ich das trotzdem alles!das nennt man wohl das salz in der suppe!seht ihr,was ich meine? das leben kann soviel spaß machen bei soviel unterschied aber genausoviel gemeinsamkeit!obwohl ich abschließend bemerken möchte, ich glaube das der liebe gott nikolaos nur gemacht hat um meine nervenstärke zu testen...so und wenn ihr jetzt auch nur einmal kräftig über die deutsch-griechische freundschaft gelacht habt,dann haben wir alles richtig gemacht!ich wünsche euch allen offene türen und herzen...JASU !!!
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